Pfeile bauen, wie ich es mache!



Autor: Hagen Wolleb März 2004

Mit der folgenden Anleitung möchte ich niemanden vorschreiben wie er seine Pfeile bauen soll.
Ich möchte nur meine Methode vorstellen und aufzeigen mit welchen Materialien ich gute Erfahrungen gemacht habe.

Jeder der sich mit dem traditionellen Bogenschießen befaßt wird seine Pfeile früher oder später selbst herstellen wollen. In den meisten Fällen entwickelt man eine Vorliebe für bestimmte Ausgangsmaterialien. Ich verwende handelsübliche Zedernholzschäfte, Truthahnfedern 5'' , Feldspitzen aus Stahl, und Oldtimernocken, die Materialien beziehe ich aus den Fachhandel.

    Schleifmaschine

Ist der richtige Rohschaft gefunden und abgelängt, schleife ich die Enden im entsprechenden Winkel konisch an, das geht natürlich auch mit den im Fachhandel erhältlichen Spitzern.
Die schleifmaschine habe ich mir selbst gebaut, der Motor ist aus einer Wäscheschleuder, der Schleifteller mit Klettverschluß stamt von einem Excenterschleifer und ist als Ersateil günstig zu erwerben.

    Nockenkonus

In dem Aluklötzchen das ich mit einer Schraubzwinge befestigt habe wurden zwei Löcher im entsprechenden Winkel 0,2mm größer als der Schaftdurchmesser gebohrt, so das ich jetzt nur noch den Schaft durchstecke und von Hand drehe um einen exakten Konus anzuschleifen.

    Das Ende für die Spitze

Durch das Schleifen bekomme ich einen sehr sauberen und gleichmäßigen Konus an die Pfeile, was ich für sehr wichtig erachte.

    das Ende für die Nocke

Ist der Pfeil außermittig angespitzt, was bei manchen Spitzern passieren kann, sitzt die Spitze oder die Nocke natürlich auch nicht richtig und der Pfeil wird nicht sauber fliegen.

Beizberich anzeichnen

Da ich meine Pfeile beize, zeichne ich mir mit einem weichen Bleistift die Kante bis zu der gebeizt werden soll an.

    Beizen

Ich verwende Beizen von verschiedenen Herstellern in verschiedenen Farbtönen, hier sind aber der Phantasie und dem Geschmack des Einzelnen keine Grenzen gesetzt.
Hier verwende ich zum Beispiel ''Teak dunkel''

    Beizen

Die Beize trage ich recht dick auf, so das sich eine gute Sättigung einstellt.
Dabei ist zu beachten das nicht zu viel Farbe, besonders im Bereich der unterkante an der sich später das gewünschte Fransenbild zeigen soll, aufgebracht wird.

    im Wohnzimmer

Zum trocknen stecke ich die Schäfte hochkant in ein Stück Ethafoam oder Styropor, so das die nach unten laufende Beize die gewollten Zacken ausbildet.

    Zacken

Da die Beize nicht stinkt, darf ich solche Arbeiten (mit einer ausnahme Genehmigung meiner besseren Hälfte) sogar im Wohnzimmer verrichten!

Falls die Zacken sich nicht richtig ausbilden wollen kann man gegebenenfalls mit dem Pinsel ein wenig nachhelfen, aber vorsichtig, hat man zuviel Farbe lauft sie den Schaft entlang und der gewünschte Effekt ist dahin.
Hier ist es wie überall im Leben, manchmal ist weniger eben mehr!

    versiegeln

Nachdem die Beize getrocknet ist beginne ich mit der versiegelung der Schäfte. Ich schleife zuerst mit einem Schleiffließ über die Schäfte bevor ich die versiegelung auftrage. Hierzu verwende ich BALLEN-MATTIERUNG von CLOU, das Auftragen erfolgt mit einem zusammen gefalteten Baumwollappen. Der Lappen wird in ein Schüsselchen getunkt und die Mattierung damit auf dem Pfeil verteilt.

    Ballenmatteirung

Das Aufragen der Mattierung ist kinderleicht, einfach mit dem Läppchen verteilen und fertig, es entstehen keine Rotznasen, keine Pinselhaare kleben auf der Oberfläche, die Schichtdicke ist deutlich geringer als bei Lacken und zu alle dem trocknet das ganze auch noch sehr schnell.

    fertig versiegelt

Die Schäfte sind nicht hoch Glänzend sondern Seidenmatt, was wie ich finde sehr natürlich wirkt.
Die Pfeile sind nach einer solchen Behandlung absolut Wetterfest, ich habe schon Pfeile in unseren Parcours gefunden die 6 Monate im Wald lagen und noch einwandfrei gerade und i.o. wahren.

    Schleifen

Nachdem die Mattierung getrocknet ist ca. 15 Minuten schleife ich nochmals leicht mit dem Schleiffließ über die Schäfte und erziele so eine sehr schöne Oberfläche.

    Kleber drauf

Zum aufkleben der Nocken gibt es verschiedene Kleber, wichtig ist hierbei das der Kleber den Kunststoff der Nocke anlößt, bei BEIDER Nocken verwende ich UHU HART, hält bomben fest. Da ich aber die OLDTIMER NOCKEN von BOWRA schieße verwende ich SUPER BOND (das selbe wie Pattex), da UHU HART den Kunststoff nicht anlöst und die Nocken sich nach einiger Zeit wieder lösen.

    Nocke drauf

Ich klebe Nas in Nas, lasse den Kleber also nicht antrocknen da man sonst die Nocke nicht sauber auf den Konus schieben kann.
Die Kerbe in der Nocke muß natürlich quer zur Maserung das Holzes laufen , sonst stimmt der Spine wert nicht und es besteht die Gefahr das der Pfeil beim Abschuß bricht, aber da sage ich euch ja nichts neues.

    Alle Nocken drauf

Alle Nocken aufgeklebt!

Die OLDTIMER NOCKEN gibt es in verschiedenen Farben so das für jeden was dabei ist!
Eben eine Geschmacksfrage.

    Stahl Feldspitzen

Ich verwende am liebsten die einfachen Stahl Feldspitzen, sie sind recht günstig und durch den Absatz in der Spitze dringen sie in Holz nicht so tief ein, falls mal was daneben geht.

    reinigen mit Verdünnung

Da ich die einfachen Spitzen ohne Gewinde verwende muß man beim verkleben etwas mehr Sorgfalt walten lassen.
Sehr wichtig ist das Reinigen und entfetten der Bohrung, hierzu reibe die Bohrung mit einem in Verdünnung getränkten Wattestäbchen aus, bis keine Verschmutzung mehr am Wattestäbchen zu erkennen ist.

    UHU plus endfest 300

Da ich bei den Spitzen gespart habe, gebe ich für den Kleber lieber etwas mehr aus und bekomme so eine sichere Verbindung.

    Kleber drauf


Der Kleber wird dünn aufgetragen und die Spitze kann aufgesetzt werden.

    aufschieben der Spitze

Ich spanne die Spitze leicht in den Schraubstock und drücke den Schaft fest in den Konus. Den überschüssige Kleber wird entfernt und nun kann die Spitze erst mal aushärten.

    Fletschklebemaschine

Mit meiner selbstgebauten Fletschklebemaschine lassen sich die Federn sehr exakt und gleichmäßig aufkleben.

    Kleber auf die Fletsch aufbringen

Ich klebe die Federn seit Jahren mit UHU hart, und habe bis jetzt keine schlechten Erfahrungen gemacht.
Der Kleber läßt sich leicht aufbringen und bindet schnell ab.

    Klammer ansetzen

Die Klammer mit der Feder wird am Magneten angesetzt und auf den Schaft aufgeschoben.

    Fletschmaschine von oben

Ich benutze gerade Klammern, der Klammerhalter ist einstellbar so das die Feder in jedem beliebigen Winkel auf den Schaft geklebt werden können.
Wie auf dem Bild zu erkennen ist, klebe ich die Fletsch leicht schräg auf den Schaft so das sich der Pfeil im Flug dreht.



    cresting Maschine

Die cresting Maschine habe ich natürlich auch selbst gebaut, der Motor ist von einen Akkuschrauber und wird mit einem Trafo betrieben.

    cresting Maschine

Ich lackiere die farbigen Ringe mit Modellbaufarben von Revel, nach dem Trocknen zeichne ich die Ränder der Farbringe noch mit einem schwarzen wasserfesten Filzschreiber (Edding) nach und mache noch ein paar Ringe dazu.



    die fertigen Pfeile

Fertig ist ein Satz neuer Pfeile!

Manch einer wird sagen: Das ist mir zu viel Arbeit, Spitze, Nock und die Fletsch drauf, das reicht mir da die Pfeile sowieso nicht lande halten.

Ich sehe das allerdings anders, Pfeile bauen ist für mich keine Arbeit sondern Entspannung.
Wenn ich nur gute Pfeile besitze, schieße ich auch jeden Pfeil so als ob es mein bester währe.

Ich hoffe ich konnte dem Neuling ein bißchen Mut machen es auch mal auszuprobieren und vielleicht kann auch der eine oder andere ''alte Hase'' eine Anregung finden!