Faszination Bogenschießen

Der besondere Reiz den das traditionellen Bogenschießens auf viele Menschen ausübt, liegt auch in der Tatsache begründet, dass es keine Erfindung der Neuzeit ist, sondern seit jeher in nahezu unveränderten Art und Weise von den Menschen betrieben wird.
Vor ca. 20.000 Jahren hinterließen unsere Vorfahren erste Belege für die Benutzung von Pfeil und Bogen, die gefundenen Pfeilspitzen aus Knochen und Stein sind die ersten datierbare Funde der Frühzeit. Da Bögen, Sehnen, und Pfeile aus organischem Material bestehen konnten keine Funde aus dieser Zeit nachgewiesen werden.
Der steinzeitliche Jäger hatte mit der Erfindung von Pfeil und Bogen nun eine treffsichere Distanzwaffe zur Verfügung, mit der er auch flüchtendes Wild wie Rentiere, Hirsche usw. mit Aussicht auf Erfolg jagen konnte.
Die Ältesten gefundenen Pfeile stammen aus den Fundgebiet Stellmoor bei Hamburg und der älteste Bogen wurde im Holmengaardmoor auf Seeland in Dänemark gefunden. Beide Funde datieren auf 9000 8000 v.Chr. und zeigten schon eine technisch sehr weit fortgeschrittene Technologie.
Der Bogen blieb über Jahrhunderte die Hauptdistanzwaffe des Menschen, auf einigen Felsmalereien die bis 8000 v. Chr. zurückzudatieren sind sieht man das der Bogen nicht nur zur Jagd eingesetzt wurde. Bei kriegerischen Auseinandersetzungen wurde der Bogen auch als Kampfwaffe eingesetzt.
Ein sicher einmaliger Fund wurde 1991 in den Ötztaler Alpen gemacht, die Gletschermumie des ca. 5300 Jahre alten "Ötzi" wurde vom Gletscher freigegeben. Zu seiner gut erhaltenen Ausrüstung gehörte ein Langbogen und ein mit 14 Pfeilen gefüllter Köcher.
Fast alle antiken Kulturen benutzten Pfeil und Bogen die Griechen, Germanen, Assyrer, Hunnen, auf allen Kontinenten wurde und wird der Bogen eingesetzt.

Einen extremen Entwicklungsschub konnte das Bogenschießen zur Zeit des Mittelalters verbuchen. Der Englische Langbogen ist über die Grenzen der Insel bekannt geworden, wenigen wegen seiner besonderen Art sondern wegen seinem taktischen Einsatz in den Schlachten.
In der Schlacht von Agincourt an 15. Oktober 1415 standen 9000 Soldaten, davon 6000 Bogenschützen geführt von König Heinrich V. auf dem Schlachtfeld. Jeder dieser Bogenschützen war in der Lage pro Minute 6 8 Pfeile zielgenau zu schießen, man kann sich heute nur schwer vorstellen wie verheerend ein solcher Angriff sein möge, bei dem jede Minute 64.000 Pfeile auf die Angreifer nieder regneten.
Im Jahre 1470 erließ König Edward IV. ein Gesetz mit der Anordnung das jeder Engländer oder Ire der in England Wohnhaft ist, einen Bogen von seiner Größe aus Eibe, Hasel, Esche oder einem anderen tauglichen Bogenholz besitzen müsse. Vor den Toren der Städte seien Übungsplätze einzurichten auf denen man sich in seiner Freizeit und an Feiertagen im Gebrauch von Pfeil und Bogen üben solle um die Kunst des Bogenschießens zu erlernen.
Des weiteren wurden Unwürdige Spiele wie Stein-, Holz- und Eisenwerfen, Kegeln, Handball, Fußball, Hahnenkampf und andere eitle wertlose Vergnügungen bei Gefängnisstrafe untersagt.
Jede Person von kräftiger Statur und gesundem Körper soll ihren Bogen gebrauchen, da die Verteidigung des Landes einzig in den Händen der Bogenschützen liegt.
Das der Erlaß eines solchen Gesetzes die technischen Entwicklung begünstigt ist völlig klar. Die Bogenbauer von Damals hatten Kenntnisse und Fähigkeiten die heute von kaum Jemanden beherrscht werden. Erst in jüngster Zeit befassen sich wieder einige Bogner mit der traditionellen Herstellung von Holzbögen und erarbeiten sich dabei Fertigkeiten die über die Jahre verlorengingen.

Heute muß niemand mehr sein Land mit dem Bogen verteidigen, aber es macht unheimlich Spaß sich mit der Historie und der Technik des traditionellen Bogenschießens zu beschäftigen. Besonders das Herstellen der eigenen Ausrüstung, sei es ein Köcher, Armschutz, Pfeile, Pfeilspitzen, Federn, oder gar das Schnitzen eines Holzbogens birgt den besonderen Reiz, des traditionellen Bogenschießens.